Das Mädchen lebte schon seit geraumer Zeit in dem alten, ausrangierten Bauwagen. In so einem wie jenem, in dem auch Peter Lustig in seinen ‚Löwenzahn‘-Geschichten wohnte. Der Bauwagen des Mädchens aber war rot. Das Rot blätterte von den Außenwänden ab. Ein anderer Unterschied war auch, dass Peter Lustig, wenn die Kameras ausgingen und sich die ganze Belegschaft einen hinter die Binde kippte, nach Hause ging. In sein richtiges zu Hause. Ein Haus aus Stein, mit vielen Zimmern. Das Mädchen musste in seinem Bauwagen bleiben. Aber, sagte es sich, es hätte auch schlimmer kommen können. Immerhin regnete es nicht durch das Dach, und das war viel wert.
Doch auch so war es in dem Wagen nicht wirklich gemütlich. Es war eiskalt, zum Schlafen hatte sich das Mädchen ein Lager aus einer alten Matratze und Decken gebaut, in einer Ecke standen ein Campingkocher und ein Eimer mit kaltem Wasser zum Waschen. Die Fenster waren mit Stofffetzen verhängt und durch die undichte, klapprige Tür pfiff der eisige Winterwind. Der Holzfußboden war morsch und mit trockenen Blättern übersät. Ein bisschen wohnlicher wurde das Ambiente nur durch den zerschlissenen aber bequemen, dunkelgrünen Samtsessel, der in der Mitte des Raums stand, ein Modell wie man es sonst in den Wohnungen von Großmüttern vorfand. Neben dem Sessel stand eine Holzkiste, auf der eine Kerze brannte und drei Bücher lagen: ein Groschenroman über eine Tierärztin im Allgäu, ein zerfleddertes Kinderbuch und eine Ausgabe von Shakespeares ‚Romeo und Julia‘.
So sah es also in dem Bauwagen aus. Manch einer mag anmerken, dass das Mädchen sich diesen Ort doch nett hätte herrichten können, wenn sie schon dort Hausen musste. Warum tat es das nicht? Und warum lebte es überhaupt dort?





